German Source comparison Chapter 1

Submitted by John Ralph on Tue, 12/08/2009 - 3:57pm.

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German Source comparison Der Philosophie der Freiheit 1894 Chapter 2/1918 Chapter 1

 
The first edition has a chapter before the one designated as Chapter 1 in the second edition.
 
1894: First Edition: Chapter 2
[1918: Second Edition: Chapter 1]
 
 
Die Philosophie der Freiheit (1894): Wissenschaft der Freiheit
 
II. DAS BEWUSSTE MENSCHLICHE HANDELN
 
[1] Ist der Mensch in seinem Denken und Handeln frei [ein geistig freies Wesen], oder steht er unter dem Zwange einer [rein naturgesetzlichen] ehernen Notwendigkeit? Auf wenige Fragen ist so viel Scharfsinn gewendet worden als auf diese. Die Idee der Freiheit [des menschlichen Willens] hat warme Anhänger wie hartnäckige Gegner in reicher Zahl gefunden. Es gibt Menschen, die in ihrem sittlichen Pathos jeden für einen beschränkten Geist erklären, der eine so offenkundige Tatsache wie die Freiheit zu leugnen vermag. Ihnen stehen andere gegenüber, die darin den Gipfel der Unwissenschaftlichkeit erblicken, wenn jemand die Gesetzmäßigkeit der Natur auf dem Gebiete des menschlichen Handelns und Denkens unterbrochen glaubt. Ein und dasselbe Ding wird hier gleich oft für das kostbarste Gut der Menschheit wie für die ärgste Illusion erklärt. Unendliche Spitzfindigkeit wurde aufgewendet, um zu erklären, wie sich die menschliche Freiheit mit dem Wirken in der Natur, der doch auch der Mensch angehört, verträgt. Nicht geringer ist die Mühe, mit der von anderer Seite begreiflich zu machen gesucht wurde, wie eine solche Wahnidee hat entstehen können. Daß man es hier mit einer der wichtigsten Fragen des Lebens, der Religion, der Praxis und der Wissenschaft zu tun hat, das fühlt jeder, bei dem nicht das Gegenteil von Gründlichkeit der hervorstechendste Zug seines Charakters ist. Und es gehört zu den traurigen Zeichen der Oberflächlichkeit gegenwärtigen Denkens, daß ein Buch, das aus den Ergebnissen neuerer Naturforschung einen «neuen Glauben» prägen will (David Friedrich Strauß, Der alte und der neue Glaube), über diese Frage nichts enthält als die Worte: «Auf die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens haben wir uns hiebei nicht einzulassen. Die vermeintlich indifferente Wahlfreiheit ist von jeder Philosophie, die des Namens wert war, immer als ein leeres Phantom erkannt worden; die sittliche Wertbestimmung der menschlichen Handlungen und Gesinnungen aber bleibt von jener Frage unberührt.» Nicht weil ich glaube, daß das Buch, in dem sie steht, eine besondere Bedeutung hat, führe ich diese Stelle hier an, sondern weil sie mir die Meinung auszusprechen scheint, bis zu der sich in der fraglichen Angelegenheit die Mehrzahl unserer denkenden Zeitgenossen aufzuschwingen vermag. Daß die Freiheit darin nicht bestehen könne, von zwei möglichen Handlungen ganz nach Belieben die eine oder die andere zu wählen, scheint heute jeder zu wissen, der darauf Anspruch macht, den wissenschaftlichenKinderschuhen entwachsen zu sein. Es ist immer, so behauptet man, ein ganz bestimmter Grund vorhanden, warum man von mehreren möglichen Handlungen gerade eine bestimmte zur Ausführung bringt.
 
[2] Das scheint einleuchtend. Trotzdem richten sich bis zum heutigen Tage die Hauptangriffe der Freiheitsgegner nur gegen die Wahlfreiheit. Sagt doch Herbert Spencer, der in Ansichten [lebt,] die mit jedemTage an Verbreitung gewinnen (Die Prinzipien der Psychologie, von Herbert Spencer, deutsche Ausgabe von Dr. B. Vetter, Stuttgart 1882): «Daß aber jedermann auch nach Belieben begehren oder nicht begehren könne, was der eigentliche im Dogma vom freien Willen liegende Satz ist, das wird freilich ebensosehr durch die Analyse des Bewußtseins, als durch den Inhalt der vorhergehenden Kapitel (der Psychologie) verneint.» Von demselben Gesichtspunkte gehen auch andere aus, wenn sie denBegriff des freien Willens bekämpfen. Im Keime finden sich alle diesbezüglichen Ausführungen schon bei Spinoza. Was dieser klar und einfach gegen die Idee der Freiheit vorbrachte, das wurde seitdem unzählige Male wiederholt, nur eingehüllt zumeist in die spitzfindigsten theoretischen Lehren, so daß es schwer wird, den schlichten Gedankengang, auf den es allein ankommt, zu erkennen. Spinoza schreibt in einem Briefe vom Oktober oder November 1674: «Ich nenne nämlich die Sache frei, die aus der bloßen Notwendigkeit ihrer Natur besteht und handelt, und gezwungen nenne ich die, welche von etwas anderem zum Dasein und Wirken in genauer und fester Weise bestimmt wird. So besteht zum Beispiel Gott, obgleich notwendig, doch frei, weil er nur aus der Notwendigkeit seiner Natur allein besteht. Ebenso erkennt Gott sich selbst und alles andere frei, weil es aus der Notwendigkeit seiner Natur allein folgt, daß er alles erkennt. Sie sehen also, daß ich die Freiheit nicht in ein freies Beschließen, sondern in eine freie Notwendigkeit setze.»
 
[3] «Doch wir wollen zu den erschaffenen Dingen herabsteigen, welche sämtlich von äußern Ursachen bestimmt werden, in fester und genauer Weise zu bestehen und zu wirken. Um dies deutlicher einzusehen, wollen wir uns eine ganz einfache Sache vorstellen. So erhält zum Beispiel ein Stein von einer äußeren, ihn stoßenden Ursache eine gewisse Menge von Bewegung, mit der er nachher, wenn der Stoß der äußern Ursache aufgehört hat, notwendig fortfährt, sich zu bewegen. Dieses Beharren des Steines in seiner Bewegung ist deshalb ein erzwungenes und kein notwendiges, weil es durch den Stoß einer äußern Ursache definiert werden muß. Was hier von dem Stein gilt, gilt von jeder andern einzelnen Sache, und mag sie noch so zusammengesetzt und zu vielem geeignet sein, nämlich, daß jede Sache notwendig von einer äußern Ursache bestimmt wird, in fester und genauer Weise zu bestehen und zu wirken.»
 
[4] «Nehmen Sie nun, ich bitte, an, daß der Stein, während er sich bewegt, denkt und weiß, er bestrebe sich, soviel er kann, in dem Bewegen fortzufahren. Dieser Stein, der nur seines Strebens sich bewußt ist und keineswegs gleichgültig sich verhält, wird glauben, daß er ganz frei sei und daß er aus keinem andern Grunde in seiner Bewegung fort fahre, als weil er es wolle. Dies ist aber jene menschliche Freiheit, die alle zu besitzen behaupten und die nur darin besteht, daß die Menschen ihres Begehrens sich bewußt sind, aber die Ursachen, von denen sie bestimmt werden, nicht kennen. So glaubt das Kind, daß es die Milch frei begehre und der zornige Knabe, daß er frei die Rache verlange, und der Furchtsame die Flucht. Ferner glaubt der Betrunkene, daß er nach freiem Entschluß dies spreche, was er, wenn er nüchtern geworden, gern nicht gesprochen hätte; und da dieses Vorurteil allen Menschen angeboren ist, so kann man sich nicht leicht davon befreien. Denn wenn auch die Erfahrung genügend lehrt, daß die Menschen am wenigsten ihr Begehren mäßigen können und daß sie, von entgegengesetzten Leidenschaften bewegt, das Bessere einsehen und das Schlechtere tun, so halten sie sich doch für frei und zwar, weil sie manches weniger stark begehren und manches Begehren leicht durch die Erinnerung an anderes, dessen man sich oft entsinnt, gehemmt werden kann.»
 
[5] Weil hier eine klar und bestimmt ausgesprochene Ansicht vorliegt, wird es auch leicht, den Grundirrtum, der darin steckt, aufzudecken. So notwendig, wie der Stein auf einen Anstoß hin eine bestimmte Bewegung ausführt, ebenso not wendig soll der Mensch eine Handlung ausführen, wenn er durch irgendeinen Grund dazu getrieben wird. Nur weil der Mensch ein Bewußtsein von seiner Handlung hat, halte er sich für den freien Veranlasser derselben. Er überseiht [übersehe] dabei aber, daß eine Ursache ihn treibt, der er unbedingt folgen muß. Der Irrtum in diesem Gedankengange ist bald gefunden. Spinoza und alle, die denken wie er, übersehen, daß der Mensch nicht nur ein Bewußtsein von seiner Handlung hat, sondern es auch von den Ursachen haben kann, von denen er geleitet wird. Niemand wird es bestreiten, daß -- das Kind unfrei ist, wenn es die Milch begehrt, daß der Betrunkene es ist, wenn er Dinge spricht, die er später bereut. Beide wissen nichts von den Ursachen, die in den Tiefen ihres Organismus tätig sind, und unter deren unwiderstehlichem Zwange sie stehen. Aber ist es berechtigt, Handlungen dieser Art in einen Topf zu werfen mit solchen, bei denen sich der Mensch nicht nur seines Handelns bewußt ist, sondern auch der Gründe, die ihn veranlassen? Sind die Handlungen der Menschen denn von einerlei Art? Darf die That [Tat] des Kriegers auf dem Schlachtfelde, die des wissenschaftlichen Forschers im Laboratorium, des Staatsmannes in verwickelten diplomatischen Angelegenheiten wissenschaftlich auf gleiche Stufe gestellt werden mit der des Kindes, wenn es nach Milch begehrt? Wohl ist es wahr, daß man die Lösung einer Aufgabe da am besten versucht, wo die Sache am einfachsten ist. Aber oft schon hat der Mangel an Unterscheidungsvermögen endlose Verwirrung gebracht. Und ein tiefgreifender Unterschied ist es doch, ob ich weiß, warum ich etwas thue [tue], oder ob das nicht der Fall ist. Zunächst scheint das eine ganz selbstverständliche Wahrheit zu sein. Und doch wird von den Gegnern der Freiheit nie danach gefragt, ob denn ein Beweggrund meines Handelns, den ich erkenne und durchschaue, für mich in gleichem Sinne einen Zwang bedeutet, wie der organische Prozeß, der das Kind veranlaßt, nach Milch zu schreien.
 
[6] Eduard von Hartmann behauptet in seiner «Phänomenologie des sittlichen Bewußtseins» (5. 451), das menschliche Wollen hänge von zwei Hauptfaktoren ab: von den Beweggründen und von dem Charakter. Betrachtet man die Menschen alle als gleich oder doch ihre Verschiedenheiten als unerheblich, so erscheint ihr Wollen [als] von außen bestimmt, nämlich durch die Umstände, die an sie herantreten. Erwägt man aber, daß verschiedene Menschen eine Vorstellung erst dann zum Beweggrund ihres Handelns machen, wenn ihr Charakter ein solcher ist, der durch die entsprechende Vorstellung zu einer Begehrung veranlaßt wird, so erscheint der Mensch von innen bestimmt und nicht von außen. Der Mensch glaubt nun, weil er, gemäß seinem Charakter, eine ihm von außen aufgedrängte Vorstellung erst zum Beweggrund machen muß: er sei frei, d. h. [das heißt] unabhängig von äußeren Beweggründen. Die Wahrheit aber ist, nach Eduard von Hartmann, daß: «Wenn aber auch wir selbst die Vorstellungen erst zu Motiven erheben, so tun wir dies doch nicht willkürlich, sondern nach der Notwendigkeit unserer charakterologischen Veranlagung, also nichts weniger als frei». Auch hier bleibt der Umstand [Unterschied] ohne alle Berücksichtigung, der besteht zwischen Beweggründen, die ich erst auf mich wirken lasse, nachdem ich sie mit meinem Bewußtsein durchdrungen habe, und solchen, denen ich folge, ohne daß ich ein klares Wissen von ihnen besitze.
 
[7] Und dies führt unmittelbar auf den Standpunkt, von dem aus hier die Sache angesehen werden soll. Darf die Frage nach der Freiheit unseres Willens überhaupt einseitig für sich versucht [gestellt] werden? Und wenn nicht: mit welcher andern muß sie notwendig verknüpft werden?
 
[8] Ist ein Unterschied zwischen einem bewußten Beweggrund meines Handelns und einem unbewußten [Antrieb], dann wird der erstere auch eine Handlung nach sich ziehen, die anders beurteilt werden muß als eine solche aus blindem Drange. Die Frage nach diesem Unterschied wird also die erste sein. Und was sie ergibt, davon wird es erst abhängen, wie wir uns zu der eigentlichen Freiheitsfrage zu stellen haben.
 
[9] Was heißt es, ein Wissen von den Gründen seines Handelns haben? Man hat diese Frage zu wenig berücksichtigt, weil man leider immer in zwei Teile zerrissen hat, was ein untrennbares Ganzes ist: den Menschen. Den Handelnden und den Erkennenden unterschied man, und leer ausgegangen ist dabei nur der, auf den es vor allen andern Dingen ankommt: der aus Erkenntnis Handelnde.
 
[10] Man sagt: frei sei der Mensch, wenn er nur unter der Herrschaft seiner Vernunft stehe und nicht unter der der animalischen Begierden. Oder auch: Freiheit bedeute, sein Leben und Handeln nach Zwecken und Entschlüssen bestimmen zu können.
 
[11] Mit Behauptungen solcher Art ist aber gar nichts gewonnen. Denn das ist ja eben die Frage, ob die Vernunft, ob Zwecke und Entschlüsse in gleicher Weise auf den Menschen einen Zwang ausüben wie animalische Begierden. Wenn ohne mein Zutun ein vernünftiger Entschluß in mir auftaucht, gerade mit derselben Notwendigkeit wie Hunger und Durst, dann kann ich ihm nur notgedrungen folgen, und meine Freiheit ist eine Illusion.
 
[12] Eine andere Redewendung lautet: Freisein heißt nicht wollen können, was man will, sondern thun [tun] können, was man will. Diesen Gedanken hat der Dichterphilosoph Robert Hamerling in seiner «Atomistik des Willens» in scharfumrissenen Ausdruck gegeben. [Worten gekennzeichnet:] «Der Mensch kann allerdings tun, was er will -- aber er kann nicht wollen, was er will, weil sein Wille durch Motive bestimmt ist! -- Er kann nicht wollen, was er will? Sehe man sich diese Worte doch einmal näher an. Ist ein vernünftiger Sinn darin? Freiheit des Wollens müßte also darin bestehen, daß man ohne Grund, ohne Motiv etwas wollen könnte? Aber was heißt denn Wollen anders, als einen Grund haben, dies lieber zu tun oder anzustreben als jenes? Ohne Grund, ohne Motiv etwas wollen, hieße etwas wollen, ohne es zu wollen. Mit dem Begriffe des Wollens ist der des Motivs unzertrennlich verknüpft. Ohne ein bestimmendes Motiv ist der Wille ein leeres Vermögen: erst durch das Motiv wird er tätig und reell. Es ist also ganz richtig, daß der menschliche Wille insofern nicht <frei> ist, als seine Richtung immer durch das stärkste der Motive bestimmt ist. Aber es muß andererseits zugegeben werden, daß es absurd ist, dieser <Unfreiheit> gegenüber von einer denkbaren <Freiheit> des Willens zu reden, welche dahin ginge, wollen zu können, was man nicht will.» (Atomistik des Willens S. 213 f.)
 
[13] Auch hier wird nur von Motiven im allgemeinen gesprochen, ohne auf den Unterschied zwischen unbewußten und bewußten Rücksicht zu nehmen. Wenn ein Motiv auf mich wirkt und ich gezwungen bin, ihm zu folgen, weil es sich als das «stärkste» unter seinesgleichen erweist, dann hört der Gedanke an Freiheit auf, einen Sinn zu haben. Wie soll es für mich eine Bedeutung haben, ob ich etwas thun [tun] kann oder nicht, wenn ich von dem Motive gezwungen werde, es zu thun [tun]? Nicht darauf kommt es zunächst an: ob ich dann, wenn das Motiv auf mich gewirkt hat, etwas thun [tun] kann oder nicht, sondern ob es nur solche Motive giebt [gibt], die mit zwingender Notwendigkeit wirken. Wenn ich etwas wollen muß, dann ist es mir unter Umständen höchst gleichgültig, ob ich es auch thun [tun] kann. Wenn mir wegen meines Charakters und wegen der in meiner Umgebung herrschenden Umstände ein Motiv aufgedrängt wird, das sich meinem Denken gegenüber als unvernünftig erweist, dann müßte ich sogar froh sein, wenn ich nicht könnte, was ich will.
 
[14] Nicht darauf kommt es an, ob ich einen gefaßten Entschluß zur Ausführung bringen kann, sondern wie der Entschluß in mir entsteht.
 
[15] Was den Menschen von allen andern organischen Wesen unterscheidet, ist sein vernünftiges [ruht auf seinem vernünftigen] Denken. Tätig zu sein, hat er mit anderen Organismen gemein. Nichts ist damit gewonnen, wenn man zur Aufhellung des Freiheitsbegriffes für das Handeln des Menschen nach Analogieen [Analogien] im Tierreiche sucht. Die moderne Naturwissenschaft liebt solche Analogieen [Analogien]. Und wenn es ihr gelungen ist, bei den Tieren etwas dem menschlichen Verhalten Ähnliches gefunden zu haben, glaubt sie, die wichtigste Frage der Wissenschaft vom Menschen berührt zu haben. Zu welchen Mißverständnissen diese Meinung führt, zeigt sich z. B. [zum Beispiel] in dem Buche: «Die Illusion der Willensfreiheit» von P. Rée, 1885, der (S. 5) über die Freiheit folgendes sagt: «Daß es uns so scheint, als ob die Bewegung des Steines notwendig, des Esels Wollen nicht notwendig wäre, ist leicht erklärlich. Die Ursachen, welche den Stein bewegen, sind ja draußen und sichtbar. Die Ursachen aber, vermöge deren der Esel will, sind drinnen und unsichtbar: zwischen uns und der Stätte ihrer Wirksamkeit befindet sich die Hirnschale des Esels. ... Man sieht die kausale Bedingtheit nicht, und meint daher, sie sei nicht vorhanden. Das Wollen, erklärt man, sei zwar die Ursache der Umdrehung (des Esels), selbst aber sei es unbedingt; es sei ein absoluter Anfang.» Also auch hier wieder wird über Handlungen des Menschen, bei denen er ein Bewußtsein von den Gründen seines Handelns hat, einfach hinweggegangen, denn Rée erklärt: «Zwischen uns und der Stätte ihrer Wirksamkeit befindet sich die Hirnschale des Esels». Daß es, zwar nicht Handlungen des Esels, wohl aber solche der Menschen gibt, bei denen zwischen uns und der Handlung das bewußt gewordene Motiv liegt, davon hat, schon nach diesen Worten [zu schließen,] Rée keine Ahnung. Er beweist das einige Seiten später auch noch durch die Worte: «Wir nehmen die Ursachen nicht wahr, durch welche unser Wollen bedingt wird, daher meinen wir, es sei überhaupt nicht ursachlich bedingt.»
 
[16] Doch genug der Beispiele, welche beweisen, daß viele gegen die Freiheit kämpfen, ohne zu wissen, was Freiheit überhaupt ist.
 
[17] Daß eine Handlung nicht frei sein kann, von der der Täter nicht weiß, warum er sie vollbringt, ist ganz selbstverständlich. Wie verhält es sich aber mit einer solchen, über [von] deren Gründen gedacht [gewußt] wird? Das führt uns auf die Frage: welches ist der Ursprung und die Bedeutung des Denkens? [Denn ohne die Erkenntnis der denkenden Betätigung der Seele ist ein Begriff des Wissens von etwas, also auch von einer Handlung nicht möglich.] Wenn wir wissen [erkennen], was Denken im allgemeinen bedeutet, dann wird es auch leicht sein, klar darüber zu werden, was für eine Rolle das Denken beim menschlichen Handeln spielt. «Das Denken macht die Seele, womit auch das Tier begabt ist, erst zum Geiste», sagt Hegel mit Recht, und deshalb wird das Denken auch dem menschlichen Handeln sein eigentümliches Gepräge geben.
 
[18] Keineswegs soll behauptet werden, daß all unser Handeln nur aus der nüchternen Überlegung unseres Verstandes fließe. Nur diejenigen Handlungen als im höchsten Sinne menschlich hinzustellen, die aus dem abstrakten Urteil hervorgehen, liegt mir ganz fern. Aber sobald sich unser Handeln herauferhebt aus dem Gebiete der Befriedigung rein animalischer Begierden, sind unsere Beweggründe immer von Gedanken durchsetzt. Liebe, Mitleid, Patriotismus sind Triebfedern des Handelns, die sich nicht in kalte Verstandesbegriffe auflösen lassen. Man sagt: das Herz, das Gemüt treten da in ihre Rechte. Ohne Zweifel. Aber das Herz und das Gemüt schaffen keine [nicht die] Beweggründe des Handelns. Sie setzen dieselben voraus [und nehmen sie in ihren Bereich auf]. In meinem Herzen stellt sich das Mitleid ein, wenn in meinem Bewußtsein die Vorstellung einer mitleiderregenden Person aufgetreten ist. Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf. Davon macht auch die Liebe keine Ausnahme. Wenn sie nicht die bloße Äußerung des niedrigen Geschlechtstriebes ist, dann beruht sie auf den Vorstellungen, die wir uns von dem geliebten Wesen machen. Und je idealistischer diese Vorstellungen sind, desto beseligender ist die Liebe. Auch hier ist der Gedanke der Vater des Gefühles. Man sagt: die Liebe mache blind für die Schwächen des geliebten Wesens. Die Sache kann auch umgekehrt angefaßt werden und behauptet: die Liebe öffne gerade für die [dessen] Vorzüge das Auge. Viele gehen ahnungslos an diesen Vorzügen vorbei, ohne sie zu bemerken. Der eine sieht sie, und eben deswegen erwacht die Liebe in seiner Seele. Was hat er anderes gethan [getan]: als von dem sich eine Vorstellung gemacht, wovon hundert andere keine haben. Sie haben die Liebe nicht, weil ihnen die Vorstellung mangelt.

[19] Wir mögen die Sache anfassen, wie wir wollen: immer klarer muß es werden, daß die Frage nach dem Wesen des menschlichen Handelns die andere voraussetzt nach dem Ursprunge des Denkens. Ich wende mich daher zunächst dieser Frage zu.

*** end of chapter ***

 

 

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So Steiner added "geistig"

So Steiner added "geistig" (spiritually free being) to the opening sentence as a revision later. More evidence that the 1918 revisions were for the theosophists.

Difference in meaning?

1. free

2. spiritually free

3. spiritually free essence

 

Mr. Last's bogeymen

Who are "the theosophists"?

Mr. Last's opinion and misrepresentation of Steiner's text

Mr. Last is the owner of this website and makes copyright claims to what appears on it. Mr. Last has given this website the title: Philosophy of Freedom.

Mr. Last writes above:

"So Steiner added "geistig" (spiritually free being) to the opening sentence as a revision later."

The German text above has "Wesen" in the red colour, which means that this word was added by the author Steiner in the 1918 edition. Mr. Last only mentions "geistig" as added to this 1918 edition. Why is "Wesen" in above in the red color if this word was - as Mr.Last implies by his (inexact) English translation which he puts in parenthesis: "(spiritually free being)" after mentioning Steiner's addition of geistig? 

(An exact English translation of the German word Wesen is essence.)

Why does Mr. Last fail to put "free" in his English translation in cursive script as it appears in the German original? If the author Steiner took the trouble to put the word frei in this cursive typescript, why is this omitted above?

Mr. Last also comments above:

"More evidence that the 1918 revisions were for the theosophists."

Incorrect is Mr. Last's claim he presents "evidence".  Correct is that Mr. Last merely states his opinion.

Mr. Last has not bothered to show any text passage written by the author Steiner in the 1918 edition which supports such an interpretation that this word "geistig"  was "a revision" "for the theosophists", nor has Mr. Last taken the trouble to demonstrate where in 1918 edition of Die Philosophie der Freiheit Steiner referred to such a group "theosophists".

Why doesn't Mr. Last at least explain who the "theosophists" are?

Is it not true that Steiner recommended the German word "Freiheit" in the title of his book Die Philosophie der Freiheit" not be translated as "Freedom" i.e. The Philosophy of Freedom?  Is it not true that Steiner recommended Freiheit be translated as Spiritual Activity?  Steiner's addition of the word "geistig" modifies the German adjective "frei". It is clear that the addition of geistig to frei is intended to clarify what kind of frei is meant.

I received no reply from Mr. Last  after I earlier brought this connection to Mr. Last's attention.

 

Nails for your hammer?

 

Tom, I cannot help but notice that all evidence points to the idea that Steiner was aiming his second edition to those who were interested in his work at that time. However, many of those who came to anthroposophy after the Great War were never allied to the Theosophical Society. They were interested in the spirit, and maybe they were spiritualists or given to other persuasions, or merely asking the kind of questions that Steiner could address. Many of these folk do not seem to have been inclined to read PoF after 1918 in the way Steiner intended.

There is no doubt that you can make a powerful case for your view on the Theosophical 'nail' and I do not wish to dispute this here. It seems that Hartmann was a powerful influence on the second edition.  Why? Were his views justified?

We have much more work to do in checking the German of the first 3 chapters of the 1918 edition. I am much more concerned about Steiner's potential readership in 1894, and those who would wish to listen to the ideas laid bare in PoF through our new translation.  I prefer to keep an open mind on matters where I have only a partial view of the facts. I would encourage you to look still wider in your thoughts about Steiner's intended audience, many of whom seem to have brought their own experiences of the spirit to listen to one who could speak from personal observations. Such people are all around us now.

If the only tool you have is a hammer, you tend to see every problem as a nail.
  - Abraham Maslow

Publish both versions

Discovering that Steiner added "spiritual" to the opening POF sentence is more evidence that the original POF is different and needs to be made available. Also, if we choose, with little extra effort, we could publish a POF version that includes the 1918 revisions. So we could do both versions.

Mr. Last's discovery in 2009: differences between 1894 and 1918

I imagined someone so interested in Steiner's book as Mr. Last would have long ago inspected its first edition and in comparison to the revised edition ascertain many changes not indicated. The 1894 reprint with list of changes in the 1918 edition was published many years ago in Dornach.

Mr. Ralph's question: Why did Steiner listen to v.Hartmann?

The best answer to Mr. Ralph's question is to look at the difference of meaning in formulations between both editions and see how the change makes the text more clear. Obviously the difference in meaning is why Steiner listened to what von Hartmann commented.

Mr. Ralph's real interest

Mr. Ralph is not interested in philosophy, but in what might be called historical sociology.

Purpose?

Merry Christmas Mr Beginner.

I see from your recent posts that you are interested in making social comments about the folk who post here. Why do you find this activity on the web more interesting than philosophy?

Mr InterestedInPeople

Does Mr. Ralph "act out of knowledge"?

 

If Mr. Ralph would read my "recent posts" correctly, he would be able to properly respond. Mr. Ralph ignores my classification of his previous comment about the times of Rudolf Steiner above as well as my reply to  his question about the relationship of Rudolf Steiner to Eduard von Hartmann in regard to the second edition of Die Philosophie der Freiheit.  Mr. Ralph asked me earlier to recommend a dictionary of history of philosophy, and again I received no acknowledgment for my reply.

It is interesting to note that also the website controller Mr. Last ignores most of my questions, whereas Mr. Last and Mr. Ralph dominate many forums of expression here. When Mr. Ralph contributed to two journals I opened on the theme of several sentences, he simply conducted a monologue, either quoting Steiner from whatever lectures or later chapters, or changing the subject.

Mr. Ralph does not state to which domain his question above in regard to Steiner's historical situation belongs.  My impression of Mr. Ralph Is that the reason for his omissions is simply he does not reflect on what he does.  

Thinking is differentiation.  Steiner differentiates various sciences and their domains in 3. The Task of Science in  Theory of Knowledge implicit in Goethe's Worldview.  

 

 

Acknowledgement

Thank you for your comments, Beginner. I read the first version and the edited version with appreciation for your interest for those details that can so easily confuse some readers.  

At the moment I am choosing to use my limited free time to further the work on the 1894 edition translation, so I trust you will understand why I do not join in the conversation so often these days.

Part of my work is teaching reflection to university students. It is a wonderful activity that you may want to consider taking up yourself more seriously one day. Reflective thinking begins with accurate observation and often leads to reserving judgement when there is insufficient evidence to draw on. Basing personal remarks on inaccurate impressions does not give a good impression to other readers, though it is good to see that you reflect on your posts and then edit them after further thought.

You are obviously more interested in publicising your own views than adding anything to your study of analogy. How long has it been since you posted anything on that thread?

You seem to spend a lot of time posting here. If you continue to demand that other posts conform to your imposed criteria, it would be polite to explain why you demand so much from other writers. As an excuse for not responding to direct questions, it is wearing very thin without some kind of explanation. 

When you do suggest a dictionary that fits my needs, I shall certainly be very grateful.

 

Mr. John Ralph's version of "Anthroposophy"

My reply to what Mr. Ralph titled his "Acknowledgment"

1. "...with appreciation for your interest for those details [of Rudolf Steiner's text] that can so easily confuse some readers" -  Mr. Ralph speaks here of "details" which "can so easily confuse some readers", presumably excluding himself.

2. "I am choosing to further the work on the translation [of Steiner Die Philosophie der Freiheit in English]" -  Mr. Ralph's practice of "furthering the work on the translation" "is choosing"  - from a bilingual dictionary or an Internet source - which English word pleases him most.  

3. "It is a wonderful activity [teaching reflection to university students]  that you may want to take up yourself more seriously one day" -  Although an instructor of "reflection to university students", Mr. Ralph indicates :  "When you do suggest a dictionary that fits my need, I shall certainly be very grateful" as if I had not already replied to his request I recommend a historical dictionary of philosophy. Mr. Ralph knows very well I answered him in a post on this website. I wrote Mr. Ralph he should contact  Peter Simon's secretary at Trinity College for names of those reference works suitable for study of Austrian philosophy and psychology.   

4. Mr. Ralph and website owner Mr. Last have often ignored my questions or comments here. When Mr. Ralph does reply, he writes in the above manipulative and insincere manner.   

 

Mr Beginner's Points

Dear Mr Beginner,
The number of your posts that are off topic on this thread is now greater than any other posts. If you must make comments about Mr Last and myself - which add little to our understanding of PoF - please start a separate thread. I will not reply to further posts from you on this thread unless they are relevant to its topic.

Regarding your post immediately above -

1.  The details that interest you are sometimes confusing for me. You seldom respond to my requests for clarification. I have understood only a little of your approach to analogy in PoF. I look forward to your further work on it.

2. This is a completely false assertion. I will not repeat what I have written in previous posts as your comment appears to be merely an impolite jibe. I apologise if my interpretation is inaccurate.

3. I do not have the time to spend on chasing up a dictionary. I intend to look for one in the philosophy section of our university library when I can get there. Your response did not fit my need so I am no better off as a result.  I notice that my responses to you are generally received ungraciously, which I do not find encouraging. You have shown little gratitude to my responses that do not fit your own needs, and I often cannot understand why.

4. If you are unable to suggest a dictionary, I apologise for asking. Please accept that you make many requests of me which demand time I do not have. You seem to find it difficult to believe that I have to choose carefully what I spend my time on. I am sorry that you interpret this as rudeness.

I hope you had a good Christmas.

 

Astronaut Ralph ain't so!

 

1. Mr. Ralph falsely states above that he asked me something, but I didn't answer. This is incorrect because Mr. Ralph fails to say that he repeatedly made posts in my journals irrespective and irrelevant to the stated theme of the journal. If Mr. Ralph were serious, why doesn't he state which allegedly unanswered question he means?  In regard to the theme of "analogy", a  word unexplained in Conscious Human Action, Mr. Ralph's "approach" is as usual asymmetrical. Mr. Ralph did not ask what the concept of analogy is, nor has he contributed in the least to its understanding.

2. and 4. Although what he writes is an alibi, after reading such posts here on this website as those by Mr. Joel, Olga MD, and Mr. Anonymous SS, I must admit at least Mr. Ralph's not lost in space! These three special guests of Mr. Last definitely deserve - with Ms. Tai, who claims she coverses with Rudolf Steiner, and the Goateanist who misappropriated the name Bishop Berkeley - what might be best called Lastland.  '

3. It is incorrect to create the impression as Mr. Ralph does by his suggestive language I did not answer Mr. Ralph's request for advice in selection of a dictionary for the history of philosophy. Correct is I recommended Mr. Ralph inquire at the office of Prof. Peter Simons, a native English speaker and also specialist for Austrian philosophy and psychology  who was chairman of the department of philosophy at the university in Leeds and now teaches at Trinity College in Dublin. If Mr. Ralph can't swim, maybe he can float?

(PS: Just between you and me, Mr. Ralph - I've got an inkling now who Mr. Last could mean by "theosophists" - you know - those evil stinkers who try to destroy the eternal substance of Steiner's Die Philosophie der Freiheit.)

Mr. Ralph's lack of sincerity

Mr. Ralph wrote above:

"I see from your recent posts that you are interested in making social comments about the people who post here."

Mr. Ralph obscures the fact that he has ignored my posts addressed to what he has wrote - for example, his question why Rudolf Steiner took Eduard von Hartmann's criticisms of Die Philosophie der Freiheit 1894 seriously. Mr. Ralph conceals himself by writing about "the people who post here" - without naming to whom he refers or stating what he means by "social comments". 

Mr. Ralph's question about Steiner and Hartmann above appeared in connection with his exchange with Mr. Last. 

Mr. Ralph writes above:

"Why do you find this activity on the web more interesting than philosophy?"

This is a silly and rhetorical question in manipulative intention. What Mr. Ralph wrote on my journals was incoherent and irrelevant to the Steiner text. 

That Mr. Ralph helps Mr. Last present the Steiner texts on this website is commendable, but Mr. Ralph seems incapable to analyse text and his questions are will-of-the-wisp.
 

 

Chapter numbering

 

At some point (soon) we need to fit our translation chapter numbers to the original 1894 numbering.

How shall we make the changes in the chapters online so far?

 

chapter numbers

No one will be familiar with the original chapter numbers. If we maintain the familar chapter numbers until the end people can access the new translation for study help now without confusion.

Of course we can do both.

Of course we can do both. We can set up a place with the original contents and use the original chapter numbers while also maintaining the old for study reference.

1918 numerous small revisions

I have been surprised to find that Steiner made numerous small revisions to POF in 1918.

example: 2-2 The "pure" Spiritualists deny Matter. (Steiner adds "pure" in 1918)

Steiner adds "pure" to Spiritualist in a section where he criticizes spiritualism in an attempt to soften his attack on spiritualism by now limiting it to a particular one-sided group from within the broader group of spiritualists.

1894: Der Spiritualist leugnet die Materie....
1918: Der reine Spiritualist leugnet die Materie....

Mr. Last's interpretation of added "pure"

Mr. Last writes that he is "surprised by numerous small revision to" the 1918 edition. Mr. Last has now began to compare the 1894 first edition with the 1918 revised edition and discovered these discrepancies. Mr. Last does not explain why he is surprised - he is surprised because these "small revisions" are not identified as revisions in the 1918 edition.

Mr. Last writes:

1. "in an attempt to soften his attack on spiritualism" What do you mean by "soften"?

2. "now limiting it [his attack on spiritualism] to a particular one-sided group"  Please explain.

3. "within the broader group of spiritualists"  What is the difference between both groups?

 

 

 

The German adjective "rein"

The German adjective "rein" seems to have always been translated into English as "pure".

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